Warum Fotos auf Papier so wichtig sind.

 

Zurück zu den Wurzeln der Fotografie

Ja, ich bekenne mich schuldig. Ich habe viele Shootings gemacht und davon nur die Dateien rausgegeben. Ich wusste dabei immer, es ist mehr wert als das. Als dieser kleine Stick, der verloren oder kaputt gehen kann. Ich wusste, dass das, was ich da gemacht habe, eigentlich mehr verdient hat.

Ich erlebe immer häufiger, dass sich viele meiner Kollegen dadurch definieren, wie viele Dateien sie an Kunden raus geben. Viele Kunden suchen dann auch exakt danach ihren Fotografen aus – je mehr, desto besser. Ansichtssache. (Und natürlich auch individuell zum Auftrag.*)

Ich finde es mittlerweile sehr schade, dass viele meiner Kollegen die Fotos, die sie anfertigen, nicht mehr als Abzüge an ihre Kunden weitergeben. Klar, Online Galerien sind super bequem und durch das Haben der Datei wird oft vermittelt, dass der Kunde das Foto an sich besitzt. Das stimmt nur so halb, finde ich. Mal Hand aufs Herz – wie oft klickst du dich durch schier endlose Datenmengen, die sich auf Handy, Laptop und externen Festplatten in den letzten Jahren angesammelt haben? Sind wir mal ehrlich: so gut wie nie.
So sperrig die alten Fotoboxen mit den unsortierten Abzügen auch immer waren – so wundervoll war es doch, da drin rum zu kramen und sich an Menschen, Ereignisse und komische Klamotten zu erinnern. Sind wir mal ehrlich: Seit wir so einfach und oft ohne nachzudenken digital fotografieren sind diese Fotoboxen nicht mehr weiter gewachsen.

Weißt du, was das Schlimme ist?
Man kann sich nicht ewig auf digitale Speichermedien verlassen und so viele Erinnerungen sind unrettbar. Ab einem gewissen Punkt in meinem Leben gibt es kaum noch entwickelte Fotos meiner Familie. Das war der Beginn der kompakten Digitalkameras. Und ab da? Schlummern sämtliche Erinnerungen auf Festplatten und Clouds.

Ja, bei sowas bin ich nostalgisch.

Ich wühle mich gerne durch alte Fotos und staubige Alben, habe danach schmutzige Finger und ein hüpfendes Herz.


An meine Kunden:

Aus einem Fotoshooting möglichst viele Dateien zu bekommen, ist nicht der Sinn, den ich vermitteln möchte. Falls du auf der Suche nach möglichst viel Ausbeute auf einem Stick bist, dann bist du bei mir nicht richtig. Mir ist es wichtig, dass du nicht von 100 Dateien erschlagen wirst, die du in paar Jahren nie wieder anschaust, sondern dass du Wertvolles in den Händen halten darfst – Bilder, auf denen du dir wirklich gefällst, die du ewig aufbewahren wirst. Bilder, auf denen deine Liebsten sind, auf denen du ihre Gefühle erahnen und das gemeinsame Lachen hören kannst. Lerne deine Fotos ganz neu zu sehen, indem du sie anfassen kannst. Ein entwickeltes Bild von deinem Lieblingsmenschen ist das, was man an sein Herz drückt, wenn man an ihn denkt. Das ist das, was über Generationen wie ein Schatz weitergegeben wird. Keine OnlineGalerie, kein USB Stick wird dir dieses Gefühl vermitteln können.

An meine Kollegen:
Wann haben wir aufgehört, unsere Arbeit so wenig wert zu schätzen, dass wir ihr nicht mal die Möglichkeit geben auf Papier, in einem Rahmen oder Album die volle Wirkung zu entfalten? Wann sind wir so faul geworden, den Wert dieser Erinnerungen, den wir kreieren, nicht mehr aufleben zu lassen? Hört auf mit Dateien, die ihr einmal kurz durch Lightroom gejagt habt, um euch zu werfen und euch allein durch die Anzahl jener, die eure Kunden bekommen, zu definieren. Das ist nicht das, was bestehen bleibt. Kein Mensch braucht von einem Shooting 150 Dateien, von denen er 100 eigentlich nicht wirklich braucht und vielleicht 2 jemals bei DM druckt. Seid nicht so bequem. Ihr habt euch einen wundervollen und wichtigen Beruf ausgesucht, also lebt ihn auch ohne Kompromisse! Wir möchten alle Erinnerungen von unschätzbarem Wert kreieren, dafür schlägt doch unser Herz – also fangt an das zu vermitteln und entwickelt eure Arbeit, gebt euren Kunden etwas in die Hand, was er liebt und schätzt.

Noch ein kleiner Denkanstoß:

Es ist mir bewusst, dass man sich nicht nur auf Papierfotos verlassen kann. Es kann immer der Kaffee drüber laufen, beim Umzug verloren gehen oder sonst wie verschwinden oder zerstört werden. Ein gutes digitales BackUp ist wichtig. Viele alte Bilder meiner Familie habe ich digitalisiert und zweimal gesichert, falls mal was passiert. Das Gefühl, durch diese Ordner zu klicken, ist dennoch ein anderes. Versucht es mal – entwickelt eure liebsten Bilder und genießt es, sie in den Händen zu halten, aufzuhängen und anderen in die Hände zur drücken.

 

– eure Anni

 

* Es ist mir bewusst, dass es Aufträge (zB. Bewerbungen, Business, Imagefotografie, Werbefotografie) gibt, bei denen es nicht zwingend notwendig ist, Fotos davon zu entwickeln. Aber auch im Business werden Printprodukte wie Flyer, Aufsteller, Magazine noch sehr geschätzt. Selbst hier ist es toll, greifbar für potentielle Kunden zu sein.

2 Gedanken auf "Warum Fotos auf Papier so wichtig sind."

  1. Adrian

    Sehr schöner Beitrag :)
    Ich lege bei meinen Kunden auch immer großen Wert darauf dass mindestens pro Person ein entwickeltes Bild dabei ist. Leider sind die meisten auf Grund der ganzen Hobbyfotografen, die schlichtweg nicht die Möglichkeit oder das Know-how haben Bilder zu entwickeln, nur noch digitales gewohnt :(
    Liebe Grüße ;)

  2. anni

    Deswegen sind wir Fotografen in der Verantwortung den Leuten das Bewusstsein für entwickelte Fotos zurück zu geben :) Auf lange Sicht hin sind sie so viel mehr Wert als nur Dateien.

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